Philosophie-Märchen: Realität liegt im Auge des Betrachters? Wirklich?

Philosophie-Märchen: Realität liegt im Auge des Betrachters? Wirklich?  

 
 
Es war einmal eine hübsche junge Frau, die sehr glücklich war. Sie erwartete Zwillinge. Sehnsüchtig fieberte sie dem Tag der Geburt entgegen. Dem Tag, an dem sie endlich ihre Babys in die Arme schließen könnte. Während der neun Monate Schwangerschaft bereitete die Frau alles liebevoll für den Tag der Niederkunft und die Zeit danach vor. Doch nicht nur das Leben der Frau war aufregend. Auch in ihrem Bauch regte sich das Leben. Lasst uns nachsehen, was im Bauch geschah: 

Im Bauch der jungen Frau wuchsen zwei wunderschöne Babys heran, die in ihrer Weltanschauung unterschiedlicher nicht sein konnten. Das eine Baby war ein Skeptiker. Das andere ein Gläubiger. Eines Tages ergab sich folgendes Gespräch:
 
Das etwas skeptisch veranlagte Baby fragte: "Sag mal, glaubst du wirklich an ein Leben nach der Geburt?"
 
Realität liegt im Auge des Betrachters? Wirklich?
Der kleine Gläubige antwortete entrüstet: "Na, aber klar doch. Selbstverständlich glaube ich an ein Leben nach der Geburt! Hier im Bauch ist doch nur die Vorbereitung auf das eigentliche Leben, das uns nach der Geburt erwartet."
 
Der kleine Skeptiker war damit nicht einverstanden: "Blödsinn, das gibt es doch gar nicht! Ein Leben nach der Geburt, lächerlich, wie soll das denn bitte aussehen?"
 
Darauf der kleine Gläubige: "Es wird alles heller sein. Du wirst mit deinen Augen wunderbare Dinge sehen können, die du dir jetzt nicht einmal vorstellen kannst, und wir werden mit unseren Beinen in einer, uns noch unbekannten Welt herumlaufen, und mit dem Mund essen."
 
Da unterbrach ihn der kleine Skeptiker: "Mit dem Mund essen? Gehts noch? Schau doch mal her! Was meinst du, wozu du diese Nabelschnur hast? Und die ist viel zu kurz, wo willst du denn damit hinlaufen? Willst du etwa mit diesen Beinen laufen?"
 
"Nach der Geburt wird eben alles anders zugehen." meinte der kleine Gläubige.
 
Doch der kleine Skeptiker erwiderte: "Es ist doch so, dass noch keiner von 'nach der Geburt' zurückkam. Mit der Geburt ist alles aus, finito, Schluss, Ende. Es gibt kein Leben nach der Geburt! Der Sinn des Lebens besteht darin, sich hier so lange und so gut wie möglich zu behaupten."
 
Da sagte der kleine Gläubige: "Nach der Geburt werden wir unsere Mutter sehen!"
 
Darauf meinte der kleine Skeptiker: "Du glaubst an eine Mutter? Wo bitte ist sie denn, DEINE Mutter?"
 
Der kleine Gläubige lachte fröhlich als er sagte: "Erstens, ist sie auch DEINE Mutter, ob du das glaubst oder nicht und sie ist überall. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein."
 
Darauf entgegnete der kleine Skeptiker: "Ach hör doch auf! Von der Mutter habe ich noch nie etwas gehört. Warum lässt sie uns dann hier allein? Wo ist sie denn? Ich glaube nur, was ich sehe!"
 
Da sprach der kleine Gläubige: "Deine Augen funktionieren noch gar nicht. Sehen wirst du sie dann - glauben musst du heute. Wenn du genau hinhörst, dann kannst du sie manchmal singen oder sprechen hören. Ich glaube auf jeden Fall, dass unser eigentliches Leben erst dann beginnt. Ich spüre Mutter´s Liebe heute schon und das macht mich gewiss, dass das Leben nach der Geburt noch viel intensiver wird!"