Hölle und evangelisch: Glauben evangelische Christen an die Hölle?

Hölle und evangelisch: Glauben evangelische Christen an die Hölle?

Ein offener Brief an evangelische Bischöfe, Pfarrern/Pfarrerinnen und alle, die sonst noch Antworten geben können:
Hölle und evangelisch:
Glauben evangelische Christen an die Hölle?


Sehr geehrte Gläubige der evangelischen Kirche,
 
ich hoffe, dass Sie mir weiterhelfen können. Ich habe ein Interview vom evangelischen Beauftragten für Sekten- und Weltanschauungsfragen (im Amt bis Mai 2014) – Herr Dr. Behnk – gelesen:(http://www.bayern-evangelisch.de/www/informiert/alles-ueber-hoelle.php)

Hier schreibt Herr Behnk, die Hölle finde mehr oder weniger auf Erden statt, wenn sich Menschen etwas Böses antäten und dass er nicht an die Hölle und den Teufel an sich glaube. Nun wirft diese Einstellung bei mir einige Fragen auf: Jesus hat doch mehrfach in der Bibel die Hölle bestätigt und auch davor gewarnt. Es steht in der Bibel geschrieben, dass es ein Gericht geben wird und dass der Mensch nach seinen guten und schlechten Taten gerichtet wird. Jesus selbst sagt:  "Hinweg mit euch ihr Verfluchten."

Das sagt er zu jenen, die in seinem Namen Wunder getan haben wollen, aber den Willen des Vaters im Himmel nicht tun wollten. Das klingt auch logisch. 

Es gibt noch unzählige weitere Stellen. Im Grunde fände ich die Äußerungen von Herrn Behnk sehr beruhigend, hat man doch fast den Eindruck, man könne munter vor sich hinsündigen. Jesus hat uns ja erlöst. Aber irgendwie: Ich kann kaum glauben, dass die Hölle abgeschafft wurde. Warum steht in der Bibel, dass Jesus für viele gestorben ist. Sicher, einige Übersetzungen sagen auch "alle". Aber warum sagt dann Jesus selbst, dass die Seelen, die des Vaters Willen nicht getan haben, in die Verdammnis geworfen werden? Die Bibel sagt auch: Ein Glaube ohne Werke ist tot. 

Es kann doch also gar nicht so sein, dass mich nur der Glaube alleine rettet. Ich muss, nachdem ich den Glauben angenommen habe, schon auch nach den Geboten wenigstens versuchen zu leben. Sicher, wenn ich falle, hebt mich Jesus auf. Doch munter darauf lossündigen, weil Jesus ja für mich gestorben ist? Ist das nicht Vermessenheit? Und dann steht da noch in der Bibel: Der HERR schafft Gerechtigkeit und Gericht allen, die Unrecht leiden.
 
Und viele weitere Zitate. Ist es tatsächlich so, dass ich als evangelischer Christ weder vor dem Teufel noch vor der Hölle Angst haben muss, wenn ich zum Beispiel eine Ehe nach der anderen breche, Kinder abtreibe und arme Menschen ausnutze und bestehle? Mir tut das zwar leid, aber ich kann halt nicht aus meiner Haut. Und Jesus wird es schon richten? Ich finde diese Einstellung erschreckend und kann mir auch gar nicht vorstellen, dass diese etwas überspitzten Folgerungen wirklich die Meinung der evangelischen Kirche darstellen sollen.

Und warum hat Jesus böse Geister ausgetrieben, wenn es diese doch gar nicht gäbe? 

Sicher, auch Krankheiten wurden als böse Geister gesehen, aber es steht auch in der Bibel, dass Menschen sehr wohl besessen waren und diese bösen Geister Krankheiten ausgelöst haben. Auch hier kann man zwar sagen, dass die Besessenheit und die bösen Geister schlechte Leidenschaften, Sündhaftigkeit und dergleichen gewesen sein könnten und Jesus schlicht die Folgen und die Ursache geheilt hat. Aber warum sind dann diese schlechten Angewohnheiten in eine Schafherde gefahren, die sich dann ertränkt haben? Oder sind diese biblischen Geschichten so gar nicht passiert? Vielleicht sind es ja nur Metaphern und Gleichnisse? Wenn dem aber so ist, dann ist vielleicht auch der Kreuzestod und die Geburt Jesu und sein Erlösungsopfer als Metapher zu sehen. Dann brauche ich eigentlich gar nicht zu glauben.
 
Aber auch das kann nicht stimmen, denn immerhin gibt die Evangelische Kirche ja auch online zu verstehen, dass es sehr wohl eine Hölle gibt: http://www.biblisch-lutherisch.de/glaubensfragen/gibt-es-eine-hölle/
 
Wobei auch hier der Grundtenor ist: “Egal, was ein Mensch tut: Wer an Jesus glaubt, braucht sich nicht zu fürchten, er kommt auf jeden Fall in den Himmel”.
 
Na, da haben die evangelischen Massenmörder, Kinderschänder, Drogendealer und Mafiabosse ja noch mal Glück gehabt. Sie brauchen sich nur zu Jesus zu bekennen und schon ist alles geritzt.
 
Bitte entschuldigen Sie, dass ich so direkt und auch ein wenig provokant schreibe, aber diese Fragen werfen sich mir auf. Bitte nehmen Sie mein Schreiben nicht persönlich. Ich bin selbst praktizierende Christin, glaube an unseren Heiland , aber dieses Interview hinterließ Fragen in meinem Kopf. Auch, wenn ich zugegebenermaßen sagen muss, dass mir die Ausführungen im Grunde sympathisch wären, wenn sie sich nicht so verlockend anhören würden, dass sie gar nicht wahr sein können. Vor allem für diejenigen nicht, die die Bibel kennen und lesen.
Über ein Statement würde ich mich sehr freuen. Leiten Sie diese Mail gerne an viele Stellen weiter. Vielleicht können Sie diese meine Mail auch direkt an Herrn Behnk weiterleiten? Das würde mich freuen, denn ich will nicht provozieren. Ich will verstehen. Bitte helfen Sie mir dabei und verzeihen Sie meinen provokanten Ton. 

Nichts für Ungut und Gottes reichen Segen wünscht


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