Richtig beichten: Gewissensspiegel und Beichthilfe für Erwachsene

Richtig beichten: Gewissensspiegel und Beichthilfe für Erwachsene

Mein Gott und Vater! Du liebst mich mit ewiger Liebe und hast mich voll Erbarmen an Dich gezogen. Du hast mich in der Taufe geheiligt und zu Deinem Kind gemacht und willst mich in Dein himmlisches Reich führen. Aber noch bin ich auf der Wanderschaft. Aus dem Staub des Alltags trete ich jetzt vor Dein heiliges Angesicht. In tiefer Beschämung erkenne ich meinen Undank gegen Deine Güte. Wieder bin ich in Sünden gefallen. Danke, dass ich mich nun zu Deiner Barmherzigkeit flüchten darf. Aus der Tiefe meines Herzens rufe ich zu Dir, o Gott: Verleih mir denn die Gnade, dass ich in Wahrheit Buße tue und mich wieder zu Dir bekehre. Sende mir Deinen Heiligen Geist, dass Er mir meine Schuld zeige und mich von allem Bösen lossage, Deine verzeihende Liebe erfahre und mit neuem Mute auf Deinen Wegen wandle. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Gewissenserforschung


Prüfe dein Verhalten gegen Gott, gegen deinen Nächsten und gegen dich selbst. Achte dabei besonders auf deine Standespflichten und auf die Liebe zum Nächsten, die das Kennzeichen des Christen ist: "Daran sollen alle erkennen, dass ihr Meine Jünger seid, dass ihr einander liebet" (Jo. 13, 35). Vergiss auch nicht deine Unterlassungen! Vielleicht hast du manchmal mehr durch Unterlassungen als durch Taten gesündigt! Besser als eine vollständige Aufzählung aller lässlichen Sünden ist es, wenn du die wichtigeren herausgreifst und auf ihre Wurzeln achtest, auf die verkehrten Gesinnungen und Haltungen, aus denen deine Fehler erwachsen. Bei schweren Sünden besinne dich auch, wie oft du sie begangen hast. Ab und zu schärfe deine Gewissen an dem folgenden

Beichtspiegel


Vorfragen: Wann war meine letzte Beichte? War sie gültig? Wenn ich in der Beichte etwas versprechen musste (z. B. eine Feindschaft, eine Gelegenheit, ein Verhältnis aufzugeben oder einen Schaden wieder gutzumachen), habe ich es gehalten?

I. Dein Verhalten gegen Gott

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinen ganzen Herzen!

1. Gebot: Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben!

Wie steht es mit meinem Glauben? Bin ich im Glauben lau und gleichgültig gewesen? Habe ich am Glauben freiwillig gezweifelt? Den Glauben verleugnet? Habe ich Reden gegen den Glauben oder die Kirche geführt? Oder solche gern angehört? Dazu geschwiegen? Schriften gegen den Glauben oder die Kirche gelesen? Anderen gegeben? Bin ich glaubensfeindlichen Vereinigungen beigetreten? Vom Glauben abgefallen (aus der Kirche ausgetreten)? Habe ich abergläubische Dinge geglaubt oder getan?

Wie steht es mit meiner Hoffnung auf Gott? Habe ich das Gottvertrauen verloren? Bin ich in Leiden und Prüfungen kleinmütig und verzagt gewesen? Habe ich an Gottes Vorsehung gezweifelt? Mich gegen Seine Fügungen aufgelehnt? Habe ich an Gottes Barmherzigkeit gezweifelt? Oder gesündigt mit dem Gedanken: ich kann es ja wieder beichten?

Wie steht es mit meiner Liebe zu Gott? Habe ich Abneigung oder Verbitterung gegen Gott oder die Kirche in mir genährt? Bin ich Gott möglichst aus dem Wege gegangen und wollte nichts mit Ihm zu tun haben?
Wie steht es mit meinem Beten? Habe ich mir im Gebet keine Mühe gegeben? Das Beten längere Zeit unterlassen? Habe ich ein Sakrament unwürdig empfangen?

2. Gebot: Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes, nicht vergeblich führen!

Habe ich heilige Namen ehrfurchtslos ausgesprochen? Geflucht? Habe ich Gott gelästert? Über Gott oder Heiliges gespottet? Habe ich falsch geschworen? Einen Schwur gebrochen? Ein Gelübde nicht gehalten?

3. Gebot: Gedenke, daß du den Sabbat heiligst!

Habe ich an Sonn- und Feiertagen die heilige Messe aus eigener Schuld versäumt? Habe ich nur äußerlich daran teilgenommen? Bin ich zu spät gekommen? Zu früh weggegangen? Bin ich in der Kirche ehrfurchtslos gewesen? Habe ich die Predigt (Christenlehre) vernachlässigt? Habe ich Sonn- und Feiertage durch unnötige knechtliche Arbeit entweiht? Oder durch sündhafte Vergnügungen?



II. Dein Verhalten gegen den Nächsten.

Du sollst deinen Nächsten lieben!

4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren!

Habe ich die Ehrfurcht gegen die Eltern verletzt? War ich gegen sie lieblos, grob, undankbar, ungehorsam? Habe ich ihnen Böses gewünscht? Sie hart behandelt? Sie ungenügend unterstützt?

Habe ich meine Kinder vernachlässigt? Habe ich mich zu wenig um ihre Seele gekümmert, um ihr Beten? War ich grob mit ihnen oder allzu nachsichtig? Habe ich zu wenig auf ihren Verkehr, ihre Freundschaften, ihre Lektüre, ihren Kinobesuch geachtet? Unerlaubte Bekanntschaften geduldet? Ihnen durch schlechtes Beispiel oder durch Reden gegen Glaube und guten Sitten geschadet?

Habe ich meine Vorgesetzten verachtet? Gegen sie gehetzt? War ich ungehorsam, widerspenstig? Bin ich verschwenderisch oder unehrlich mit ihrem Eigentum umgegangen? Habe ich die schuldige Ehrfurcht gegen kirchliche oder staatliche Obrigkeit verletzt? Sie ungerecht getadelt und geschimpft? Gerechte Gesetze übertreten? Welche?

War ich gegen meine Untergebenen, Arbeiter, Dienstboten ungerecht, launenhaft, lieblos, hart? Habe ich von ihnen zuviel verlangt? Sie schlecht bezahlt? Mich um ihre Seelen nicht gekümmert?

5. Gebot: Du sollst nicht töten!

War ich gegen andere Lieblos? Im Denken, Reden, Verhalten? War ich unverträglich? Rücksichtslos? Gehässig, feindselig, unversöhnlich? Habe ich andere beleidigt, herabgesetzt, misshandelt? Ihnen Böses gewünscht? Lebe ich in einer Feindschaft? Habe ich Zwietracht gestiftet, den Hass und die Feindschaft anderer geschürt? Habe ich anderen Böses zugefügt, ihnen an Leben und Gesundheit geschadet? Vielleicht durch Kränkung und harte Behandlung? Habe ich werdendes Leben vernichtet oder vernichten wollen? Habe ich ein Menschenleben auf dem Gewissen? Oder eine Menschenseele? Durch Verführung, schlechtes Beispiel? Durch Anraten oder Dulden des Bösen? Bin ich achtlos an fremder Not vorübergegangen? War ich hart und unbarmherzig? Habe ich Tiere gequält? - Prüfe vor allem dein Verhalten gegen deine Allernächsten, gegen den Ehegatten, die Angehörigen, die Nachbarn!

6. Gebot: Du sollst nicht Unkeuschheit treiben!

Habe ich gesündigt durch unkeusche Gedanken, Begierden, Blicke, Berührungen, Reden? Durch wohlgefälliges Anhören solcher Reden? Habe ich Unkeusches getan? Allein? Mit anderen? An mir tun lassen? Habe ich die Keuschheit bei mir oder bei andern gefährdet (durch schlechte Schriften, Bilder, Filme, Gesellschaften, durch schamlose Kleidung und Tänze, durch Rauschmittel)? Habe ich die Ehe missbraucht? Die Ehe gebrochen? Lebe ich in einem sündhaften Verhältnis? Habe ich andere verführt oder verführen wollen? Die Gelegenheit nicht gemieden, sie aufgesucht?

7. Gebot: Du sollst nicht stehlen!

Habe ich gestohlen? Oder stehlen wollen? Was, wieviel? Habe ich betrogen? Durch falsches Maß oder Gewicht? Unterschlagen überfordert, gewuchert? Habe ich andere geschädigt, ausgebeutet? Durch übermäßige Preise, schlechte Ware, schlechte Arbeit, schlechte Leistung, schlechten Lohn? Habe ich Schulden nicht bezahlt? Habe ich Gefundenes oder Entlehntes behalten? Besitze ich sonst unrechtes Gut? Habe ich angerichteten Schaden noch nicht gutgemacht? Habe ich mein Eigentum verschwendet? Zur Sünde missbraucht? Habe ich den Notleidenden nicht nach Kräften geholfen? Soziale Verpflichtungen nicht erfüllt?

8. Gebot: Du sollst kein falsches Zeugnis geben!

Habe ich gelogen? In wichtigen Dingen? Zum Schaden anderer? Habe ich von anderen ohne Grund Böses gedacht? Ihre Fehler unnötig weitergesagt? Habe ich andere verleumdet? Beschimpft? Habe ich durch Schwätzereien Unfrieden gestiftet? Solche Schwätzereien gern angehört? War ich unaufrichtig, wortbrüchig? Habe ich anvertraute Geheimnisse verraten? Habe ich angerichteten Schaden an Ehre und gutem Namen des Nächsten noch nicht gutgemacht? Eine Verleumdung noch nicht widerrufen?

III. Dein Verhalten gegen dich selbst

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!

9. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!

10. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut!

Diese zwei Gebote verlangen Beherrschung nicht nur des äußeren Verhaltens, sondern schon des inneren Begehrens. Hier prüfe deine innersten Gesinnungen und Absichten. Sieh zu, aus welchen bösen Neigungen (Hauptsünden) deine Sünden erwachsen, und arbeite an ihrer Überwindung durch die entgegengesetzten Tugenden. Welches ist deine Hauptsünde?

1. Stolz: war ich hochmütig, hoffärtig, ehrsüchtig unbescheiden, herrschsüchtig? Habe ich andere verachtet?

2. Geiz: war ich habsüchtig, geizig, hart gegen Bedürftige?

3. Unkeuschheit: habe ich mich nicht entschieden gewehrt gegen die unkeuschen Neigungen? Mit den Versuchungen gespielt?

4. Neid: war ich missgünstig, neidisch, eifersüchtig, schadenfroh?

5. Unmäßigkeit: habe ich nicht Maß gehalten im Essen, Trinken, Rauchen, Vergnügen, Kinobesuch, Lesen (Schund), Tanz (auch in der Advents und Fastenzeit)? Mag ich mir nichts versagen? Habe ich das Freitags- und Fastengebot der Kirche übertreten? Bin ich genusssüchtig?

6. Zorn: habe ich dem Zorn die Zügel schießen lassen? War ich jähzornig, rachsüchtig, unbeherrscht, händelsüchtig, gewalttätig?

7. Trägheit: war ich bequem und nachlässig in der Arbeit, in den Berufspflichten? Wollte ich nichts wissen vom Gebet, vom religiösen Leben und von religiöser Weiterbildung? Habe ich die Arbeit an mir selbst (Selbsterziehung, Selbstüberwindung, Selbstverleugnung) gescheut? War ich ungeduldig im Kreuztragen?

Zum Schluss frage dich: Wo fehlt es bei mir am meisten? Wo ist meine schwache Seite? Wo muß es bei mir anders werden?

Reue und Vorsatz


1. Barmherziger Vater! Mit dem verlorenen Sohne werfe ich mich vor Dir nieder und bekenne Dir all die vielen Sünden, womit ich Dich bis auf diese Stunde beleidigt habe. Vater, ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor Dir und bin nicht mehr wert, Dein Kind zu heißen. Ich darf es nicht wagen meine Augen zu Dir zu erheben; ich kann nur an mein sündiges Herz klopfen und flehen: Gott, sei mir armen Sünder gnädig! So oft habe ich Dein Gebot übertreten und bin undankbar gegen Dich gewesen. Ich weiß, ich hätte es verdient, dass die Strenge Deines Gerichtes über mich erginge. Aber siehe, ich vertraue auf Deine unendliche Liebe, die mich retten will. Du bist barmherzig, das ist mein Trost; Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe. Ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz verschmähst Du nicht.

So bitte ich Dich denn: verstoße mich nicht von Deinem Angesicht. Ich liebe Dich ja, o mein höchstes Gut, und es reut mich so bitter, dass ich Deine Liebe beleidigt und Dein Gericht so wenig gefürchtet habe. So oft schon habe ich versprochen, dass ich Dir dienen und treu bleiben wolle, und doch habe ich wieder Böses getan. O sei mir gnädig um des kostbaren Blutes Jesu Christi willen! Zeige an mir die Größe Deiner Erbarmung und sprich zu meiner Seele das trostreiche Wort: Deine Sünden sind dir vergeben! Ich bin bereit, zu büßen und nach Kräften Genugtuung zu leisten. Ich bin auch fest entschlossen, mir wahrhaft Mühe zu geben, diese Sünde... zu meiden und in Deiner Liebe zu verharren. Ich weiß freilich, wie arm und schwach ich bin. Hilf mir Du durch Deine Gnade! Dein Heiliger Geist möge mich leiten und führen zu einem neuen Leben nach Deinem heiligen Willen. Das verleihe mir, o gütiger Vater, durch Deinen Sohn Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

2 O Jesus, Du hast einst den Petrus mit einem Blick Deiner barmherzigen Augen bekehrt: wirf auch mich einen Blick der Gnade, damit ich umgewandelt und in Deinem kostbaren Blute von meinen Sünden gereinigt werde. Ach, dass ich Dich, meinen liebreichen Erlöser, so oft beleidigt habe! Um der Liebe Deines heiligsten Herzens willen bitte ich Dich, Du wollest mir verzeihen und mich in Gnaden aufnehmen. Handle an mir nicht nach meiner Bosheit, sondern nach Deiner unendlichen Güte und lass mich bei Dir Frieden und Versöhnung finden. Ich sage mich los von aller Sünde und will Dir mit neuem Mute in treuer Liebe dienen. O Jesus, sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig! Amen.


Im Beichtstuhl


Beginne mit den Worten: "In Demut und Reue bekenne ich meine Sünden. Meine letzte Beichte war vor ...

Bekenne aufrichtig! Bei schweren Sünden gib die Zahl oder die Häufigkeit (wöchentlich, täglich) an, sowie etwaige wichtige Umstände. Schließe mit dem Gebet:

"Gott, sei mir armen Sünder gnädig!" Höre auf die Mahnung des Beichtvaters! Hast du die auferlegte Buße verstanden so antworte: "Danke." Vernimm voll Vertrauen und Freude das Gnadenwort: "Ego te absolvo - Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen." Wenn der Priester dich mit dem Gruß "Gelobt sei Jesus Christus" entlässt, antworte dankbar: "In Ewigkeit. Amen."

Nach der Beichte


Preis und Dank sei Dir, o Gott der Güte und Barmherzigkeit, dass Du mich wieder in Gnaden angenommen und mir die Last der Sünden abgenommen hast. O mein Gott, wie gut bist Du! Du bist die ewige Liebe, und ich bin viel zu arm, um Dich genug zu danken. Aber siehe, von diesem Augenblick an will ich Dich lieben aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele. Ich will aus allen Kräften durch kindlichen Gehorsam gegen Dich gutzumachen suchen, was ich bisher gefehlt und versäumt habe.

Du siehst in mein Herz, o Gott, und weißt, dass es mir Ernst ist. Du weißt aber auch, wie schwach und armselig ich bin und wie ich ohne Dich nichts vermag. O mein Gott, ertrage mich noch! Habe Geduld mit mir, trotz meines harten, verkehrten, undankbaren Wesens. Ich komme nur langsam voran, aber ich suche doch wenigstens den Himmel oder verlange ihn zu suchen. Ich möchte Dich doch lieben, ein so armer Sünder ich auch bin, das Heil meiner Seele liegt mir am Herzen. So gib mir Zeit und erbarme Dich meiner, öffne mir Deine gnadenreiche Hand und Dein gütiges Herz! Ich will ernstlich die Nachlässigkeit und Lauheit von mir abtun, will mit dieser Sünde ... brechen, will mich aufraffen, voll Vertrauen zu wandeln in Deinem Licht. Komm mir entgegen mit Deiner Gnade, stärke mich Schwachen! Lass mich nie das Wort vergessen, das Dein lieber Sohn zu dem geheilten Kranken sprach: "Siehe, du bist nun gesund geworden. Sündige jetzt nicht mehr, damit dir nicht Schlimmeres widerfahre." Gib mir die Gnade der Beharrlichkeit, damit ich von nun an Dir in treuem Eifer diene. Dies erflehe ich von Dir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Verrichte nun möglichst bald die auferlegte Buße. Erneuere deinen Vorsatz und überlege, ob du nicht freiwillig noch mehr Buße tun willst durch Gebet und Werke der Liebe.

(Inspiriert aus: Beichthilfe für Erwachsene; von der Gebetsstätte Wigratzbad)

Hier weiterlesen: Warum eigentlich beichten? Das Sakrament der Buße